09. Februar 2026
Sonia B. ist am Weg. Viel hat sie schon hinter sich: den Verlust ihres Zuhauses, das Finden eines neuen. Die Trennung von Menschen, die ihr nahe waren, und das Knüpfen neuer Verbindungen. „Ich werde nicht stehen bleiben“, ist sich Sonia sicher.
Eine Woche hat Sonia B. auf der Straße gelebt. Das ist der aufgeweckten Frau mit den lachenden Augen nicht anzusehen – so wie der überwiegenden Mehrheit von Frauen ohne Obdach. Wenn sie von dieser Episode in ihrem Leben erzählt, werden Sonias Augen ernst. „Ich hatte Angst. Ich wusste keinen Ausweg und habe mich ständig gefragt, wie es so weit kommen konnte. Es gab eine Zeit, da waren wir mit meinem Mann und den Kindern eine glückliche Familie. Ich habe gedacht, das bleibt immer so.“
Es kann jede:n treffen
Doch es kam anders. Eifersucht und Streit bestimmten zunehmend den Familienalltag. Sonia trennte sich und zog in eine kleine Wiener Wohnung. Was sie nicht wusste: Die Wohnung war untervermietet, und es gab Mietrückstände. Dann kam die schlimmste Nachricht – das ganze Wohnhaus sollte umgebaut werden. Sie musste innerhalb einer Woche ausziehen. In dieser kurzen Zeit war nichts zu finden, und Sonia stand auf der Straße.
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Wir sind 356 Tage im Jahr für Menschen ohne Obdach da und sichern Obdach sowie eine verlässliche Basisversorgung. Alles, was darüber hinausgeht – etwa Notfallpakete, zusätzliche medizinisch-pflegerische Unterstützung oder Hilfe bei akutem Bedarf in schwierigen Situationen – wird durch Spenden möglich gemacht.
Erste Hilfe
Die Nächte verbrachte sie im öffentlichen Raum – immer auf der Hut. Die Tage im Obdach Ester, einem Tageszentrum für Frauen. Hier konnte sie sich ausruhen, duschen und sich etwas kochen. „Nach den Nächten auf der Straße konnte ich dort aufatmen.“ Besonders geholfen habe ihr das rein weibliche Team, das sie bei den ersten Schritten aus der Wohnungslosigkeit unterstützte. Eine Postadresse, Gespräche mit den Betreuer:innen und die Unterstützung der Sozialarbeiter:innen brachten sie weiter.
Neue Chancen
Sonia konnte bald in das Wohnhaus Obdach Gänsbachergasse ziehen. Wohnungslose Frauen, Männer und Paare können dort die Wartezeit auf eine eigene Wohnung oder eine andere passende Wohnform überbrücken. „Meinem Sozialarbeiter bin ich besonders dankbar. Ich bekam nicht nur Verständnis und Unterstützung, sondern auch klare Worte. ‚Lass die Vergangenheit los und bau dir eine Zukunft auf‘, hat er gesagt – und mir gezeigt, wie. Schritt für Schritt.“ Schon nach ein paar Monaten fand Sonia tatsächlich eine eigene Wohnung. Weihnachten und Neujahr hat sie bereits im eigenen Zuhause gefeiert. Aus der Zeit im Obdach Gänsbachergasse hat sie einiges mitgenommen.
Raum für Begegnung
Im Rahmen eines Kochkurses für Bewohner:innen lernte Sonia etwa das Team von Obdach Forum kennen. Ob beruflich oder für die Familie – Kochen war immer ein Bestandteil ihres Lebens. Im Kurs hat sie diese Leidenschaft wiederentdeckt und weiter ausgebaut. „Ich koche am liebsten türkisch oder indisch – aber immer auf Wunsch der Bekochten“, schmunzelt sie.
"Es gab eine Zeit, da waren wir mit meinem Mann und den Kindern eine glückliche Familie. Ich habe gedacht, das bleibt immer so. Auch wenn der weg nicht immer leicht ist. Ich werde nicht stehen bleiben. Und ich will anderen in meiner Situation helfen.“
Sonia B. hat mit Unterstützung von FSW Obdach ein Zuhause gefunden.
Was Hobbys leisten
Dinge zu entdecken oder wieder in das Leben von Menschen ohne Zuhause zu holen, die in Zeiten der Obdachlosigkeit nicht möglich waren, ist eines der Ziele von Obdach Forum. Dabei sind Peers besondere Ansprechpartner:innen: ehemals obdachlose Menschen, die andere auf ihrem Weg in ein Zuhause begleiten – professionell und eingebunden in das Team. Aber eigentlich geht es um das Zurückfinden in den Alltag. Und darum, in einer nach wie vor fordernden Lebenssituation nicht alleine zu sein.
„Ich will helfen“
Auch heute ist Sonia bei vielen Treffen von Obdach Forum dabei: beim Vernetzungstreffen bei Kaffee und Kuchen, beim gemeinsamen Kochen oder bei Ausflügen. Hier hat sie nicht nur Freund:innen, sondern auch Vorbilder gefunden. Für das kommende Jahr plant sie, selbst am Peer-Lehrgang teilzunehmen: „Ich will Menschen helfen – so, wie mir damals geholfen wurde. Auf Augenhöhe, mit viel Verständnis, aber auch mit Kompetenz.“
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