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Blogbeitrag

Endlich wieder schrauben!

20. Mai 2020

In den letzten Wochen habe ich die Arbeit, die Kollegen und die KundInnen vermisst. Endlich ist die Radwerkstatt wieder offen. Und das zur perfekten Zeit: der Radsaison!

Nach einer Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie, arbeite ich nun endlich wieder an zwei Nachmittagen pro Woche in der Bike Kitchen Favorita, das freut mich enorm!

In der Bike Kitchen werden meine Kollegen und ich zu Radexperten ausgebildet. Uns vereint nicht nur unser großes Interesse an Rädern, sondern auch, dass wir alle einen Fluchthintergrund haben. Unsere zwei Trainer bringen uns alles bei. Wir reparieren Räder, verkaufen Zubehör im Shop oder betreiben Upcycling – das heißt, wir machen aus alten Radteilen tolle Produktunikate wie zum Beispiel Schlüsselanhänger oder Lampen. Zusätzlich lernen wir Deutsch – in Übungsstunden mit unseren Trainern und im direkten KundInnenkontakt.

Arbeitsalltag

Meine Arbeitstage beginnen immer um 8 Uhr mit einem Tee und einem Frühstück. Danach erledige ich einiges, koche mein Mittagessen vor und mache mich für die Arbeit bereit. Ich wohne im 22. Bezirk und brauche ca. eine Stunde in die Bike Kitchen Favorita. Die ist, wie der Name schon sagt, im 10. Bezirk. Also schnappe ich mir mein Fahrrad und radle los. Seit acht Jahren mache ich professionell Karate, bin zum Beispiel Wiener-ASKÖ-Meister und Vizestaatsmeister. Da muss ich immer fit bleiben und bis mein Karateclub wieder öffnet, radle ich als Ausdauertraining in die Arbeit. Außerdem fühle ich mich derzeit am Rad sicherer als in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Und dann ist da noch der wunderschöne Weg vorbei an der Alten Donau, der Donauinsel, Kaisermühlen und dem Prater!

Angekommen in der Radwerkstatt ziehe ich mir meine Arbeitskleidung an. Wer schon mal Fahrradöl abbekommen hat, weiß warum! In unserer Teamsitzung erklärt Andreas, einer der Trainer, was es an diesem Tag zu erledigen gibt. Im Moment haben wir viele Aufträge. Gerade jetzt im Frühling und auch wegen der Corona-Krise wollen die WienerInnen gern Radfahren. Wir haben alle Hände voll zu tun!

Natürlich befolgen wir die Schutzmaßnahmen, tragen Masken, halten Abstand und vieles mehr. Niemand muss sich Sorgen machen. Auch ich nicht.

Atmosphäre

Bei uns herrscht immer eine gute Stimmung, wir verstehen und respektieren einander. Es läuft wirklich „wie geschmiert“. Andreas unterstützt mich, wenn ich einmal nicht weiterweiß. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir besprechen jede Reparatur, ich lerne aus meinen Fehlern und mache es beim nächsten Mal besser. Die Arbeit in der Radwerkstatt hilft mir sicher auch später einmal. Gerne würde ich ein Autotuninggeschäft aufmachen. Reparaturkenntnisse und Erfahrung im KundInnenservice sind dafür sicher von Vorteil! Die meiste Freude habe ich in meiner Arbeit, wenn KundInnen zufrieden mit meiner Reparatur sind. Dann bin ich richtig stolz.

Wenn wir die Bike Kitchen abends schließen, schnappe ich mir mein Rad, fahre nach Hause, koche, schneide noch ein Musikvideo oder schreibe Texte. Denn mit Karate und der Bike Kitchen Favorita habe ich noch nicht genug, ich bin auch Rapper. Mein Künstlername ist OMID OMB. Sogar beim Donauinselfest bin ich schon aufgetreten. Mein Leben ist abwechslungsreich, das steht fest. Nach so einem Tag falle ich müde, aber zufrieden ins Bett und freue mich auf den nächsten Arbeitstag, an dem ich wieder an Rädern schrauben kann.


Über die Bike Kitchen Favorita

In der sozialen Radwerkstatt im 10. Bezirk werden Menschen mit Fluchthintergrund zu Experten ausgebildet. Angeleitet von Trainern lernen sie Räder zu reparieren, üben Deutsch, haben vom ersten Tag an KundInnenkontakt und geben in der Selbsthilfewerkstatt ihr Radwissen weiter. Seit kurzem stellen sie auch trendige Upcycling-Produkte her.

Trainee Omid



Omid ist 22, seit vier Jahren in Österreich und arbeitet seit einem Jahr in der Bike Kitchen Favorita.