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Aktuelles

Ein Tag in der Wärmestube Obdach Apollogasse

Eiskalter Nieselregel fällt an diesem grauen Wintermorgen. Die Nebelschwaden hängen bis zu den Hausdächern. Ein ungemütliches Wetter. Das Obdach Apollogasse bietet obdachlosen Menschen täglich einen warmen Zufluchtsort. Ein Einblick.

Es ist 9 Uhr Früh und das Team des Obdach Apollogasse, der „Wärmestube Apollogasse“, wie es genannt wird, trifft erste Vorbereitungen für den kommenden Tag. Das Frühstück bestehend aus Gebäck, Milchbrötchen, Marmelade, Müsli, Milch, Saft, Käse, Wurst und Butter wird angerichtet. Heißer Kaffee und Tee wird gekocht, aus den reifen Bananen eine süße Bananenmilch kreiert.

Noch sind die Betten im Ruheraum und die Plätze rund um die Tische im Speisesaal leer. Um 9:30 Uhr gehen die Türen auf, die obdachlosen Menschen kommen herein und rasch füllen sich die Betten und Plätze. Hier meldet sich jemand für die Nutzung der Waschmaschine, da jemand für die Dusche an. Vor der Küchentheke bildet sich eine kurze Schlange.

„Guten Morgen. Möchten Sie ein Frühstück? Kaffee? Mit Milch?“, fragt Sabine, Mitarbeiterin im Obdach Apollogasse. Sie kennt die meisten BesucherInnen, der Schmäh „rennt“. Kaffeehäferl um Kaffeehäferl wird ausgegeben. Wenn sich bei der Übergabe die Finger berühren, spürt Sabine, wie kalt die Hände der Gäste sind. Sie haben draußen gewartet, manche haben vielleicht auf der Straße übernachtet und freuen sich auf die Wärme im Obdach Apollogasse. Die Wärme des Raumes, die des Kaffees und die der Obdach Wien-MitarbeiterInnen.

Besondere Atmosphäre

Die Wärmestube erinnert an ein gemütliches Lokal. Es wird viel gelächelt, geplaudert und Kaffee und Tee getrunken. Während des morgendlichen Treibens widmet sich Nadia vom Team Obdach Apollogasse der Vorbereitung des Mittagessens. Dank der Spenden der Wiener Tafel kann jeden Tag gekocht werden. Heute wird es ein kräftiger Eintopf mit Nudeln für die bis zu 75 obdachlosen Menschen. Dafür schneidet Nadia Zwiebel, Tofu und Gemüse klein, röstet, würzt und kocht. Der Topf, in dem alles brutzelt, ist riesig. „Übrig bleibt nie etwas“, sagt Nadia. Den ganzen Tag über können sich obdachlose Menschen hier stärken. Das Team kümmert sich um das leibliche Wohl der obdachlosen Menschen. Und sie bieten Rückzugsmöglichkeiten im Ruheraum, wo die Gäste schlafen können, ein Lächeln und ein offenes Ohr. Denn im großen „Speisesaal“ steht die Begegnung im Vordergrund. Einmal in der Woche kommen zusätzlich StraßensozialarbeiterInnen von Obdach unterwegs vorbei und beraten.

Petr kommt seit einer Woche täglich in die Wärmestube Obdach Apollogasse. (Bild: FSW)

Petr ist auf der Suche nach einem Job und einer Wohnung und seit einer Woche täglich hier. Er fühlt sich wohl, ist dankbar für das Angebot und das freundliche und respektvolle Team des Obdach Apollogasse. Der Kaffee schmeckt ihm besonders. Er und viele der Gäste bleiben oft den ganzen Tag. Wenn das Obdach Apollogasse um 16:30 zusperrt, sitzen, wie in jedem normalen Lokal, noch einige Gäste um einen Tisch. Sie wollen gerne länger bleiben, so gemütlich ist es hier. Aber Sperrstunde ist Sperrstunde. „Der schönste Moment des Tages ist, wenn jemand zu mir kommt, sich verabschiedet, sich für das gute Essen und den Tag bedankt“, sagt Sabine. Dann gehen die Gäste satt und gut aufgewärmt ihrer Wege. Manche werden morgen wieder da sein, um sich im Obdach Apollogasse aufzuwärmen.


Über das Obdach Apollogasse

Von 30. Oktober bis 4. Mai bietet Obdach Wien zusätzlichen Schutz und Wärme für obdachlose Menschen. Im Rahmen des FSW-Winterpakets werden Wärmestuben & Nachtquartiere eröffnet. Obdach Wien nutzt wie bereits in den Vorjahren einen Teil des ehemaligen geriatrischen Tageszentrums Ingrid Leodolter in der Apollogasse im 7. Bezirk als Wärmestube für obdachlose Menschen. Ruheräume geben ein Stück Geborgenheit, es besteht auch die Möglichkeit, Wäsche zu waschen und zu trocknen. BesucherInnen können warm duschen und sich mit heißem Tee und kleinen Snacks stärken. Bis zu 75 Personen können sich zeitgleich in der Wärmestube aufhalten.

Das Team sorgt für eine angenehme Atmosphäre und geht auf die Sorgen der BesucherInnen ein: Wie finde ich eine Bleibe für die Nacht? Wo bekomme ich Unterstützung bei gesundheitlichen Problemen? Kann ich um Beihilfen ansuchen? SozialarbeiterInnen von Obdach unterwegs sind regelmäßig vor Ort und bieten weiterführende Beratung an.