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Blogbeitrag

Anmar, der Uhrenmacher

13. August 2020

Ursprünglich komme ich aus dem Irak, seit viereinhalb Jahren bin ich in Österreich, und seit 14 Monaten arbeite ich in der Bike Kitchen Favorita. Eine Zeit, die ich bisher sehr genossen habe und immer noch genieße.

Die Bike Kitchen Favorita ist etwas Besonderes. Meine Traineekollegen und ich haben einen Fluchthintergrund und werden in der sozialen Radwerkstatt ausgebildet. Wir lernen Räder zu reparieren, zu verkaufen und verbessern täglich unsere Deutschkenntnisse. Für die Gelegenheit, in der Bike Kitchen beschäftigt zu sein, bin ich dankbar. Fahrräder waren schon immer meine Leidenschaft und so kann ich meine Zeit sinnvoll nutzen, etwas lernen, mich auf den Arbeitsmarkt vorbereiten und bin umgeben von Drahteseln und Radfans.

Wie ein Uhrwerk

Ein Arbeitstag in der Radwerkstatt sieht so aus: Sobald ich in der Bike Kitchen ankomme, begrüße ich meine Kollegen Mostafa, Omid, Alex und Amadu sowie unsere Trainer Florian und Andreas. Danach führt mein Weg gleich in den Verkaufsraum. Ich bin hauptsächlich im Shop tätig. Dort sehe ich nach, ob alles am richtigen Platz ist und ob neue Ware geliefert wurde. Pünktlich um 14 Uhr sperre ich auf. Da bin ich absolut verlässlich. Ich verkaufe, kassiere, bearbeite Rechnungen und Bestellungen. Am liebsten berate und betreue ich KundInnen.

Eine Frage der Zeit

Seit einigen Monaten betreiben wir Upcycling. Unser Trainer Florian ist der kreative Kopf der Upcycling-Produktion. Wir verarbeiten Teile, die von Radreparaturen übrigbleiben und vermeintlich Abfall sind und kreieren so Lampen, Gürtel, Schlüsselanhänger und mehr. Das sind echte Unikate! Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich frei kreativ tätig werden. Jedes Teil eines Rads ist faszinierend und inspirierend. Daher habe ich mir viele Gedanken über mögliche Upcycling-Produkte gemacht und überlegt, was ich aus den einzelnen Teilen konstruieren kann. Und dann, wie es in kreativen Prozessen oft der Fall ist, war die Zeit reif und es ist mir eingefallen: Ich kann Uhren aus Fahrradteilen herstellen! Nach der ersten Uhr war ich sehr stolz und dieses Gefühl hat mich motiviert, noch weitere zu machen. Sie sind ganz unterschiedlich, manche haben ein Pedal, manche mehrere Radkränze, aber eines haben sie gemeinsam: Ich habe sie hergestellt und es gibt jede nur ein einziges Mal. In der Werkstatt sehen mich meine Kollegen nun öfter, denn ich tüftle immer weiter und kreiere neue Uhren. Mittlerweile gibt es die Uhren auch im Bike Kitchen Favorita Shop zu kaufen.

Wenn ich nach einem produktiven Arbeitstag Entspannung brauche, spiele ich Computer oder fahre mit dem Fahrrad. Wer weiß, vielleicht fällt mir bald wieder etwas ein, was ich aus alten Radteilen basteln kann. Bis ich wieder eine zündende Idee habe, genieße ich die Zeit in der Bike Kitchen.

Trainee Anmar


Anmar ist 30 Jahre alt und seit 2019 Trainee in der Bike Kitchen Favorita.

Über die Bike Kitchen Favorita

In der sozialen Radwerkstatt werden Menschen mit Fluchthintergrund als Trainees zu Radexperten ausgebildet. Begleitende Sprachtrainings und der KundInnenkontakt vertiefen die Deutschkompetenzen. Die Produktion von Upcycling-Unikaten aus Radteilen gibt den Trainees die Möglichkeit, kreativ zu werden und aus Altem Neues zu machen. Neben einer Selbsthilfewerkstatt, in der radbegeisterte WienerInnen mit der Unterstützung der Trainees selbst schrauben können, lockt ein voll ausgestatteter Shop mit Zubehör, Ersatzteilen und Rädern. Selbstverständlich gibt es auch klassische Reparatur- und Servicedienstleistungen. Firmen haben die Möglichkeit, die mobile Bike Kitchen Favorita zu beauftragen und MitarbeiterInnenräder vor Ort servicieren zu lassen. Mehr Infos dazu gibt es hier.