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Aktuelles

Ein Schicksalsschlag und neue Chancen

13. Januar 2020

Schlagartig hatte Frau Monika A. keinen Zugang mehr zu ihrem alten Leben. Bei Obdach Wien fand sie ein vorübergehendes neues Zuhause und Zukunftsperspektiven.

Sie wollte nach einem Spitalsaufenthalt nach Hause, doch nichts war mehr wie zuvor. Ihre Wohnung war versperrt, ihr langjähriger Partner, mit dem sie dort zusammenwohnte, war unauffindbar. Verzweifelt suchte Monika ihn im kalten Winter in der Stadt, klapperte mehrere Stationen ab. Ihre Finger wurden so kalt, dass die Spitzen heute noch etwas taub sind. Erst nach Tagen erreichte sie die Nachricht, dass sich ihr Partner das Leben genommen hatte.

Das gemeinsame Zuhause, die Wohnung, lief auf ihn, ist seither polizeilich versperrt. Monika hat keinerlei Rechte, was die Wohnung betrifft. Alle ihre Dokumente, ihre Habseligkeiten – vom Handy über die Winterjacke, die Zahnbürste bis zu ihrer Kleidung – waren plötzlich unzugänglich.

Zwischenstation

Wie viele Frauen in so einer Situation, fand sie vorübergehend Unterschlupf bei Freunden. Jedoch wollte die ehemalige Kellnerin ihren Freunden mit Kindern im Schulalter nicht zu sehr zur Last fallen. Daher überwand sie ihre Scham nach Hilfe zu fragen, machte sich auf und fand im Nachtquartier Obdach Favorita für Frauen ein Bett für die Nacht und mehr.

Der Alltag dort sieht so aus: Um 18:15, wenn die Türen geöffnet werden, treffen dort die wohnungs- und obdachlosen Frauen ein, bekommen eine kleine Jause, können duschen, sich ausruhen, im großen und hellen Aufenthaltsraum tratschen und sich aufwärmen. Abends gibt es immer ein frisch gekochtes warmes Abendessen. Jede Frau hat ein Bett und einen Spind.

Auch Monika konnte ihren Spind dank Spenden füllen und besaß innerhalb kurzer Zeit wieder das Nötigste wie Winterschuhe und eine warme Jacke. „Seit dem Selbstmord meines Partners herrscht Chaos! Mein ganzes Leben war weg“, sagt sie und betont, wie sehr ihr die geschenkten Kleidungsstücke halfen. Besonders der Pullover bedeutet ihr viel, den hat ihr eine andere Frau aus dem Nachtquartier geschenkt. Der Zusammenhalt der Frauen ist groß. Nach der Überwindung der ersten großen Herausforderungen wie einen Schlafplatz, etwas zu essen und warme Kleidung zu finden, ist in solchen Krisen auch andere Unterstützung essentiell. Die MitarbeiterInnen von Obdach Wien unterstützten Monika vom ersten Tag an und begleiten sie heute noch auf ihrem Weg.

Neustart Chancenhaus

Darüber, wie schnell ihr von Obdach Wien geholfen wurde, ist Monika froh, betont sie. Denn nach wenigen Wochen im Nachtquartier Obdach Favorita, konnte sie mithilfe der SozialarbeiterInnen und BetreuerInnen von Obdach Wien ins Chancenhaus Obdach Wurlitzergasse umziehen. Dort kann sie sich nun in Ruhe um die Neuerstellung ihrer Dokumente kümmern, alles Bürokratische und Finanzielle abklären und sich auf eine eigene Wohnung vorbereiten. Und, sie kann sich von ihrem schmerzlichen Schicksalsschlag erholen.

Monika liebt es zu backen, zu kochen und Gastgeberin zu sein und freut sich schon darauf, in ihr zukünftiges zuhause zu Kaffee und Kuchen einladen zu können. „Ich bin trotz allem voll positiv gestimmt“, sagt sie abschließend, riecht am heißen Kaffee und sieht zuversichtlich aus.



Über das Chancenhaus Obdach Wurlitzergasse

Ab dem Einzug steht im Chancenhaus Obdach Wurlitzergasse die Entwicklung von Perspektiven im Vordergrund. Zusammen mit dem Team von Obdach Wien werden Ansprüche und mögliche Wohnformen abgeklärt. Bis zu drei Monate können wohnungslose Erwachsene und Paare in möblierten Zimmern wohnen, die Unterstützungs- und Freizeitangebote annehmen und an ihrer Zukunft arbeiten.